Denn mir sin echte Trierer!

Ab jetzt geht‘s nur noch im Römerexpress zur Uni

Willkommen in Trier? Der Empfang im Trierer Rathaus ist eher verhalten. Tauche ein in die Vorstellung einer herzerwärmenden Begrüßungsparty.

NU#86 einbuergerung sw

Graue Realität: Donnerstagnachmittag, 15.34h, Nieselregen. Du betrittst das Bürgeramt um dich aufgrund der Zweitwohnsitzsteuer umzumelden. Die Sachbearbeiterinnen tippen emsig Formulare und unterhalten sich lautstark in einem dir unbekannten Dialekt.

Identitätsverlust

15.38h: Trotz anfänglicher Kommunikationsprobleme hast du mit der Sekretärin eine gemeinsame Sprachebene gefunden und ihr unterbreitet, dass du Trier nun ganz offiziell dein Zuhause nennen willst und damit einen kleinen Teil deiner Identität als Hunsrücker, Saarländer oder Pfälzer aufgibst. Man händigt dir stapelweise Formulare über die GEZ aus, klebt einen Sticker auf deinen Personalausweis und überhäuft dich mit fragwürdigen Willkommensgeschenken, darunter ein Gutschein für einen halben, ermäßigten Schwimmbadeintritt.

15.43h: Das Prozedere ist abgeschlossen, als frisch gebackener Trierer Bürger verlässt du das Rathaus und begibst dich in deine Erstwohnsitzwohnung.

Traumhafte Vorstellung: Dein Termin zur Ummeldung steht seit zwei Wochen im Kalender, heute ist es endlich so weit. Der Römerexpress holt dich an der Haustür ab und fährt dich nach einer kleinen Stadtrundfahrt zu den 20 wichtigsten Sehenswürdigkeiten ins Rathaus, wo man dir sofort ein Glas Trierer Sekt überreicht. Die Spieler der Eintracht stehen Spalier, während man dich mit den anderen potentiellen Neubürgern zum Oberbürgermeister geleitet, der als römischer Senator verkleidet ist. Dort musst du die Hand auf eine Nachbildung der Porta Nigra aus Buntsandstein legen und feierlich mit Helmut Leiendecker schwören, dass du von nun an ein „Muuselindijanao“ (zu hochdeutsch: Moselindianer) bist. Mit Tränen der Rührung in den Augen singt Guildo, er hat dich lieb. Die anschließende Initiationsfeier dauert bis in die frühen Morgenstunden.

Nachmittags wieder nüchtern Zuhause bemerkst du, dass dein Ausweis in eine Porta-Nigra-Form gestanzt wurde, auf dem Adressfeld steht lediglich „Trierer“, und das ist auch gut so. Außerdem bist du jetzt stolzer Besitzer einer Guildo-Gummipuppe, einer Viezporz-Kollektion von Fingerhut- bis Eimergröße, einer Jahreskarte Römerexpress und eines Stromvertrags mit den Stadtwerken.

Nix Porta Nigra — Pochta!

Dein Einbürgerungskurs „Trierisch für Anfänger“ beginnt nächsten Montag, gleich im Anschluss geht’s zum Flietenessen mit dem Gladiator Valerius… Dat is quant!