Trier hat eine neue Bürgermeisterin
Angelika Birk über ihr Amt, Studentenwohnheime und Stresspegel
Nachdem sich lange Zeit beim Amt des Bürgermeisters in Trier nicht viel getan hatte, wurde am 29 Oktober 2009 die ehemalige Frauenministerin des Landes Schleswig- Holstein Angelika Birk zur neuen Dezernentin des Bereichs Soziales, Jugend, Bildung und Sport gewählt. Am 14. Februar diesen Jahres trat sie ihr neues Amt an. Die nu hat ihr für euch ein paar Fragen gestellt.
(nu): Können Sie kurz Ihren Aufgabenbereich definieren?
Birk: Ich bin zuständig für Bildung, Jugend, Soziales und Sport. Bildung heißt nicht nur: Wie ist die Schulausstattung der Stadt, sondern auch das Thema Volkshochschule, Stadtbibliothek, Musikschule, Stadtarchiv; im Jugendbereich von den Kindertagesstätten bis zu all dem was junge Leute interessiert. Ob das nun die Skaterhalle ist oder Jugendangebote im kulturellen und sportlichen Bereich. Dann noch das Riesenfeld des Sportes; ich bin also auch Herrin über die Arena. Dann die Sozialpolitik, da sind wir gleich bei einem heißen Eisen, ich bin nämlich auch zuständig für die Frage: Wie findet man in Trier eine Wohnung.
(nu): Was hoffen Sie in Ihrer Amtszeit zu erreichen? Was wollen Sie vermeiden? Was wäre der Worst Case?
Birk: Ich möchte auf jeden Fall tatkräftig die Schulstruktur mit all denjenigen, die sich um das Thema Schule kümmern, für die zukünftigen Jahre festlegen. Das ist etwas, dass hier sehr lange in der Entscheidungsfindung liegen geblieben ist. Ich brauche außerdem auch ein Wohnraumkonzept für die Stadt. Da werde ich mir auch externe Hilfe und Fachhilfe holen. Auch hier ist es sehr auffällig, dass der städtische Wohnraum zum Teil in einem bedauerlichen Zustand ist, da wir zu wenige Wohnungen, vor allem im niedrigen Preissegment haben. Das sind zwei ganz konkrete Projekte. Worst Case wäre für mich, wenn wir es nicht schaffen würden, die vielen Kinder, die jetzt das Recht auf einen Kindergartenplatz haben, unterzubringen. Da arbeiten wir auch mit Hochdruck dran.
(nu): Auch wegen der Kita- Geschichte am Trimmelter Hof?
Birk: Ja, es ist jetzt nicht nur die Kita am Trimmelter Hof, die einen Schimmelschaden und auch eine chemische Belastung hat, sondern es geht darum, dass wir ja ab 1. August den Rechtsanspruch für Kinder unter drei Jahren haben. Das wir insgesamt in diesem Bundesland ein sehr großes Engagement in der Landesregierung haben, die dafür sorgt, dass viele Kinder kostenlos einen Kindergartenplatz bekommen. Dies ist in anderen Bundesländern nicht unbedingt so. Entsprechend hoch ist auch die Nachfrage. Das ist ja auch gut so. Nur stellt das natürlich an uns als Stadtverwaltung und an die vielen freien Träger, wie Caritas oder Elterninitiativen, die Kindertagesstättenplätze anbieten, eine hohe Anforderung.
(nu): Nachdem Sie jetzt eine Weile im Amt sind, was haben Sie sich anders vorgestellt? Fühlen Sie sich ernüchtert?
Birk: Also man sagt ja immer, im Öffentlichen Dienst würde angeblich die Schneckenpost noch zu Hause sein und davon wären noch immer ein paar Leute übrig. Ich muss sagen, die Verwaltung in Trier ist sehr schlank, es gibt hier weniger ein Ausgaben - als einEinnahmeproblem. Da sind die wegbrechenden Gewerbesteuern und die Tatsache, dass auch in Rheinland- Pfalz die Städte gegenüber dem Umlandgemeinden eine ökonmisch, aufgrund von den rechtlichen Vorraussetzungen, schlechtere Grundlage haben. Das ist natürlich eine große Herausforderung. Das kenne ich aus anderen Wirkungsfeldern, ich war ja früher vor allem im Norden Deutschlands tätig, anders.
(nu): Auf einer Skala von 1- 10, als wie hoch würden Sie den Druck, der auf Ihnen lastet, einschätzen?
Birk: Naja der Druck ist im Augenblick schon eher in der Phase 9- 10 einzuordnen, dass ist ganz klar: eine neue Dezernentin kommt nachdem lange Jahre die Mehrheit meiner Ämter unter der Führung eines Dezernenten waren, der mehr als 20 Jahre hier gewirkt hat. Da ist natürlich die Erwartung an Veränderungen sehr groß. Auf der anderen Seite haben natürlich auch manche Leute Angst und denken jetzt wären viele Dinge, die sich bewährt haben vielleicht auf dem Prüfstand. Ich kann nur sagen, es nützt überhaupt nichts, mit der Brechstange vorzugehen. Es müssen Schritt für Schritt Reformen gemacht werden. Und ich freue mich aber, dass die Ziele, die als dringlich benannt habe, sowohl vom Stadtrat, als auch aus der Verwaltung heraus, als dringlich empfunden werden. Sodass ich also auf viele Menschen treffe, die bereit sind, mit Hochdruck mit mir zusammen daran zu arbeiten.
(nu): Besonders uns zugezogenen Studenten kommen von Seiten mancher alteingesessener Trierer Vorurteile entgegen, wie gut konnten Sie sich einleben? Wie empfinden Sie die Trierer Mentalität?
Birk: Also da muss ich sagen, ich fühle mich sehr gut angenommen. Nun ist es natürlich ein Unterschied ob sie sagen“ Hallo ich bin die neue Bürgermeisterin“, da sind die Leute mindestens höflich und meistens auch darüber hinaus sehr freundlich. Das ist natürlich eine andere Situation, als wenn zu jedem Semesterbeginn die Studierenden bei vielen Vermietern auf der Matte stehen. Auch in anderen Situationen, in denen viele zusammen auftreten, kann ich mir vorstellen, dass eine andere Ausgangslage besteht. Trotzdem muss ich sagen, Trier hat eine hohe Lebensqualität und es gilt auch die verborgenen Qualitäten dieser Stadt zu entdecken. Also manches ist nicht so auf dem Präsentierteller, aber das ist ja eben auch das Reizvolle, dass man hier, wenn man sich engagiert etwas gestalten kann, auch im kulturellen Leben und ich freue mich, dass viele Studierende das auch tun.
(nu): Was wären die Dinge, die sie für Studenten gerne bewegen würden in Trier?
Birk: Ich finde es wichtig, dass Studierende in allen Lebenslagen hier leben können. Also auch diejenigen, die neben dem Studium einen harten Job machen müssen und diejenigen, die Kinder haben; dass sie sich hier wohl fühlen. Und dass sie auch ohne allzu große Mühe vom Campus oder den beiden Campi und der Fachhochschule in die Stadt und auch in entferntere Teile der Stadt gelangen können. Dass manche sich auch überlegen hier zu bleiben, hier ihre berufliche Zukunft zu finden. Die Region Trier mit der Nähe zu Luxemburg, zu Metz, zu Saarbrücken ist ja eigentlich sehr attraktiv. Sie ist zu Unrecht im übrigen bundesdeutschen Gebiet zu wenig bekannt, auch mit ihren Reizen und der ja doch zentralen Lage, wenn man jetzt Frankreich, Luxemburg und Belgien als Nachbarn sieht.
(nu): Und konkret mit dem Bus, mit der Wohnsituation, was würden sie da machen?
Birk: Also ich bin froh darüber, dass wir demnächst in Trier West ein Kasernengelände zu einem Studierendenwohnheim umgestalten können, da sind wir auch schon in der konkreten Planung;.Das soll auch energetisch auf dem neusten Stand sein, sodass es wirklich ein attraktiver Wohnort wird. Der augenblickliche Zustand von Trier West wird sich in den nächsten Jahren ganz anders darstellen. Wir sind uns bewusst, dass wir Studierende hier nur empfangen und auch halten können, wenn wir vernünftigen Wohnraum zur Verfügung stellen. Das ist natürlich eine Aufgabe, die nicht alleine die Stadt hat.Da sind auch alle Vermieterinnen und Vermieter aufgefordert. Aber die Stadt muss konzeptionell und auch durch ihre eigenen Wohnungen mit gutem Beispiel vorangehen und da hapert es im Augenblick deutlich. Das sehe ich als meine Aufgabe an, damit es eben nicht aus Gründen der Wohnungsnot so ist, dass Studierende den Studienplatz nicht annehmen können. Das geht gar nicht und deswegen bin ich auch daran interessiert, von den Studierenden selbst zu erfahren, wie sie die Wohnsituation sehen, die Vermieterlage und was man da noch verbessern kann.
(nu): Wenn Sie einen Tag mit unserer Bundeskanzlerin tauschen könnten, würden Sie es tun und wenn ja wieso?
Birk: Naja das wäre ein bisschen vermessen. Sie ist ja gleich alt wie ich; bei ihr heißt es oft, sie wäre eine junge Wilde. Bei anderen Menschen, die in diesem Alter bei der ARGE stehen, sagt man, dass sie völlig untauglich für den Arbeitsmarkt seien. Das ist zweierlei Maß, was da herrscht, was ich sehr unmenschlich finde. Also ich muss gestehen, mit der Bundeskanzlerin in der augenblicklichen Situation würde ich ungern tauschen. Sie hat ein Arbeitsfeld, in dem man die Druckskala, die sie vorhin von 1 bis 10 benannt haben, glaube ich von 1 bis 100 erweitern müsste.
(nu): Wenn sie mit dem Finger schnippen könnten und etwas wäre sofort in Ordnung, was wäre diese Sache?
Birk: Da fallen mir auch viele Dinge ein. Aber ich muss sagen, sie haben ja vorhin die Kindertagesstätte Trimmelter Hof angesprochen: Für all die vielen Kinder, die Eltern und die Erzieher würde ich mir tatsächlich wünschen, es wäre mit einem Fingerschnippen zu lösen. Weil die schon eine lange Leidensgeschichte hinter sich haben; immer wieder auch mit Hoffnungen und Enttäuschungen. Wir haben eine hohe Verantwortung diese Geschichte zu einem guten Ende zu führen.
(nu): Mal was anderes: Können Sie nachts gut schlafen?
Birk: Ich kann nachts sehr gut schlafen, wenn ich zum Schlafen komme. Im Augenblick sind die Nächte manchmal ziemlich kurz, weil ich nach den vielen Terminen ja auch noch einen Termin mit meinem Schreibtisch habe. Aber glücklicherweise verfüge ich doch über die Fähigkeit gut zu schlafen.
(nu): Vollenden Sie den Satz: Ich wünsche mir für Trier…?
Birk: Oh, da muss ich überlegen. Ich wünsche mir so viel. Ich wünsche mir für Trier, dass es seine liebenswerten Seiten auch noch die nächsten 2000 Jahre erhalten kann.
(nu): Danke für das Gespräch!
