Mal ordentlich auf die Pauke hauen
Fernöstliche Trommelrhythmen verzauberten Trierer Zuhörer
Es gibt wenige Instrumente, die das Gemüt so sehr bewegen wie der archaische Klang von Trommeln. Die Taiko-Truppe Waraku-kai SHOU hat in einer Vorstellung in der Arena gezeigt, wie Trommelkunst auf japanisch klingt: Mit einem Taiko (jap. „dicke Trommel“) Konzert inspirierten die Musiker rund 200 Zuhörer in der Arena Trier.
Ouverture
Die Bühne wird dominiert von Trommeln unterschiedlichster Größe, einzig der auf ein Plakat gebannte rote Dämon im Hintergrund schmückt die Halle. Das buntgemischte Publikum wartet gespannt auf die Rhythmen aus Fernost. Doch das Konzert beginnt nicht mit einem Paukenschlag. Stattdessen werden die Zuhörer von Noboru Tanaka, dem Leiter der Gruppe, zunächst mit dem ziehenden Klang von Tsugaru-Shamisen in das Reich japanischer Musik gelockt. Das gitarrenartige Instrument stammt ursprünglich aus China und wird vom Meister perfekt beherrscht; teilweise beidhändig schlägt er die Melodien japanischer Volkslieder auf den drei Seiten. Der sensei (jap. „Meister“) sitzt mittig, einige seiner Schüler zu seinen Füßen, sie fügen dem Spiel ihres Lehrers die ersten sanften Trommelrhythmen hinzu, eine Frau singt in traditionellem Gewand.
Höhepunkt
Dann füllt sich die Bühne mit Musikern und Meister Tanaka tritt zur Seite, wo einige kleinere Trommeln aufgebaut sind. Es beginnt ein Dialog zwischen den treibenden Schlägen des Meisters und dem dumpf antwortenden Bass seiner Schüler. Schließlich wird auch die O-Daiko, die große Trommel bearbeitet – Arbeit im wahrsten Sinne; es erfordert große Kraft der O-Daiko überhaupt einen Ton zu entlocken, doch auch das Musizieren der anderen Spieler ist schweißtreibend.
Über den Abend hinweg steigert sich das emotionale Spiel der Trommler in immer komplexere Gewebe aus Klang und Bewegung. Das immer wieder aufbrandende Dröhnen der Trommeln erinnert an riesige Wellen, die auf das zerklüftete Festland treffen und zerbersten. Es wird deutlich, was es erfordert, diese Kunst zu lernen: Leidenschaft und Disziplin.
Ende
Nach zwei Stunden ist das Sinnesfest vorüber und das Publikum wird mit einem Handschlag von Tanaka sensei persönlich unter Begleitung einiger letzten Trommelrhythmen aus der Halle entlassen. Ein tief bewegender Abend, an dem die Künstler durch ihr Können, nicht durch dramatische Showeffekte geglänzt haben. Die Zuschauer sind von den selbst komponierten und inszenierten Stücken des Meisters begeistert: Denn Taiko-Trommeln ist nicht nur Musik, es ist auch Bewegung, Tanz, Choreografie. Mit weit ausholender Gestik werden die Schläger immer wieder in die Luft gerissen um dann im Gleichklang wieder auf die Schlagfläche zu sausen. Das Singen der Trommeln gleicht einem Chor und das Publikum wird immer wieder veranlasst durch Klatschen die Rhythmen zu unterstützen, wobei es dem teilweise rasanten Spiel des Meisters kaum hinterherkommt.
Info
Das Taiko-Trommeln hat eine lange Tradition in Japan und wurde unter anderem bei der Kriegsführung eingesetzt um Nachrichten weiterzugeben oder die Feinde einzuschüchtern. Heute wird die Kunst vor allem zu rituellen Anlässen verwendet. Die Trommler Truppe Waraku-kai SHOU besteht seit 13 Jahren, insgesamt 200 Schüler unterrichtet Tanaka sensei in Japan. Nicht zuletzt aufgrund der teilweise deutschen Besetzung seiner Gruppe kommt er regelmäßig zu kleinen Konzerttouren und Workshops nach Deutschland.
