Spectaculum begeistert die Besucher

14. mittelalterliches Spectaculum in Oberwesel

Geschrei, Gebrüll, stürmische Schritte, gefolgt vom Klang aufeinander treffender Schwerter; zwei Ritter, die mit ihren Waffen aufeinander losgehen. Einige Hiebe später ist alles vorbei und einer der Kontrahenten liegt scheinbar tot am Boden; der Sieger erntet den frenetischen Beifall der Menge.

Am vergangenen Pfingstwochenende wurde das Mittelalterfest “Spectaculum” im alten Stadtkern von Oberwesel am Rhein veranstaltet. Zum 14. Mal hat der Verein zur Erhaltung mittelalterlichen Brauchtums in Oberwesel diesen aufwändig für die Festivitäten hergerichtet: Stromkästen, Werbeschilder, Straßenlampen und andere moderne Bauelemente wurden mit Tuch verhüllt, abgebaut, oder mit Ried, Bambus und Holz verkleidet um eine mittelalterliche Atmosphäre zu schaffen. In den nahezu überfüllten Gassen des Ortes lief man auf Stroh zu den vielen kleinen, alt anmutenden Holzbauten und Zelten in denen man sich auf Strohballen niederlassen konnte.

Den größten Beitrag zum äußerst überzeugenden Gesamteindruck lieferten aber die Schausteller, Aussteller und Schauspieler.

Schwertkämpfe und Co.

Zu festgelegten Zeiten fanden an vier Plätzen Aufführungen statt. Eine Schwertkampfschule, in der sich Ritter in voller Montur duellierten und ihren Schwertmeister mit vielen Fehlern in den Wahnsinn trieben. Dieser nahm im Gegenzug kein Blatt vor den Mund, um seine Schüler zu schelten und ihnen zu vermitteln, was für eine Enttäuschung sie doch seien.

Eine Gruppe von Gauklern und Hofnarren belustigte Kinder wie Erwachsene mit Musik, Liedern, kleinen Zaubertricks und Klamauk und erntete damit viel Applaus.

Eine Horde Trommler machte nicht nur viel rhythmisches Getöse, sondern bot gute Unterhaltung mit akrobatischen Einlagen von Frau und Mann. Mit drei Feuerspuckern sorgten sie außerdem für noch mehr Hitze an ohnehin schon warmen und sonnigen Tagen.

Gaumenfreuden

Auch kulinarisch hatte das Spectaculum einiges zu bieten: Met in allen erdenklichen Varianten und nach alten Rezepten gebrautes Bier strömte an jeder zweiten Schänke aus Holzfässern in große Tonkrüge. Frische Fruchtsäfte sorgten für alkoholfreie Erfrischung. Zu den vielen angebotenen Speisen zählten unter anderem auf Eisen gegrillte Knoblauchfladenbrote, im Brötchen gereichte Hirschfladen sowie in Brotschalen serviertes Wildragout. Liebhaber von Süßspeisen labten sich an Lebkuchen, Honigbrot und Fruchtspießen. Gegessen wurde natürlich mit Holzlöffeln oder einfachem Eisenbesteck, wie es in  dieser Zeit üblich war. Die am Eingang mit der Eintrittskarten erworbenen Tonkrüge waren selten ungefüllt.

Besuch lohnt sich

An Möglichkeiten den eigenen Goldbeutel zu erleichtern, mangelte es nicht. Rüstungsmacher, Goldschmiede, Spielzeughersteller, Schuhmacher und Verkäufer von Edelsteinen säumten die Straßen, und jeder von ihnen verkaufte nicht nur seine handgemachte Ware, sondern konnte auch von der Geschichte der eigenen Zunft in früheren Zeiten erzählen.

Wen das Beschriebene neugierig gemacht hat, sollte sich schon mal das Pfingstwochenende in zwei Jahren rot im Kalender markieren, denn erst dann wird diese Fest wieder die Straßen von Oberwesel in eine frühere Zeit zurückversetzen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.