Ich würde keinen Studenten anzeigen wollen…

Über unberechtigte Abbuchungen und ungeplante Auszahlungen

Sie kümmert sich um‘s Geld: Anita Hoffmann, die Finanzreferentin des ASTA. Die (nu) hat sie zu ihren Aufgaben und der Kritik an ihrer Arbeit im letzten Jahr befragt.


(nu): Was sind deine Aufgabengebiete als Finanzreferentin?

Ich stelle den Haushaltsplan für den Zeitraum vom April diesen Jahres bis zum März des nächsten auf, überwache seine Umsetzung, passe ihn im Laufe des Jahres gegebenenfalls an und schließe ihn am Ende der Legislaturperiode ab. Außerdem kümmere ich mich um die Bezahlung der Rechnungen, die in den anderen Referaten anfallen, zahle die Gehälter für die An- gestellten des AStA aus, betreue den Sozialfond und prüfe die Finanzen der Fachschaften. Zudem können sich die Studierenden bei uns kostenlos Kopien beglaubigen lassen.

(nu): Der Finanzprüfungs- ausschuss des Stupa hat deine Arbeit von letztem Jahr kriti- siert und keine ausdrückliche Empfehlung gegeben, dich zu entlasten. Was ist da genau vorgefallen und wie stehst du dazu?

Zum Teil hatten wir unterschiedliche Vorstellungen über die Buchführung, zum Teil beruhte das aber auch auf Missverständnissen. Die Hälfte des Berichts bezog sich nicht direkt auf meine Arbeit, sondern auf die Buchführung selbst und teilweise auch auf Dinge, die schon vor meiner Amtszeit passiert waren.
Eine Sache, die kritisiert wurde, betraf die Buchungszettel, die wir für die Auszahlung der Aufwandsentschädigungen ausfüllen und unterschreiben mussten. Weil das fast immer die gleichen Beträge waren, haben wir einen Zettel bis auf den Namen ausgefüllt, unterschrieben und mit der Unterschrift kopiert, statt jeden einzelnen Zettel komplett auszufüllen und dann zu unterschreiben. Einmal haben wir versehentlich jemandem, der schon zurückgetreten war, die Aufwandsentschädigung noch länger ausgezahlt. Der Finanzprüfungsausschuss meinte, dass das nicht so leicht hätte passieren können, wenn wir uns an das vorgeschriebene Verfahren gehalten hätten. Allerdings kam es gar nicht wegen eines Fehlers beim Ausfüllen zu dem Versehen, sondern das Ganze war schon falsch in unserem Computer gespeichert. Außer- dem hat es sie die Finanzprüfer gestört, dass wir das Pfand für die vom AStA verkauften Flaschengetränke nicht über ein Extrakonto abgewickelt haben. Da wir mit dem Getränkelieferanten die Ausgaben für die Getränke und die Einnahmen aus der Pfandrückgabe auf einem Zettel miteinander verrechnet haben, ließ sich nachträglich nicht mehr genau überprüfen, wie viel Verlust durch Flaschen, die kaputt gegangen sind oder nicht zurückgegeben wurden, entstanden ist. Wenn wir aber für jede Flasche den Betrag für das Getränk und den Pfandbetrag getrennt aufführen und das Pfand über ein zusätzliches Konto verwalten würden, wäre das ein riesiger zusätzlicher Aufwand. Außerdem würde das auch nichts daran ändern, dass immer mal wieder Flaschen verloren gehen.

(nu): War da nicht auch noch was mit Papiertüten?

Ja, aber das war eigentlich ein Missverständnis. Die Leute vom CineAsta haben das Geld, das an den Kinoabenden eingenommen wurde, immer in einer Papiertüte abgegeben, auf die sie den von ihnen abgezählten Betrag notiert hatten. Diese Tüten haben wir abgeheftet, um den von uns gezählten Betrag damit abgleichen zu können. Scheinbar ist dadurch der Eindruck entstanden, wir hätten Rechnungen auf Papiertüten geschrieben.

(nu): Kannst du uns noch et- was zu den unberechtigten Abbuchungen vom AStAkonto sagen?

Es hat schon vor meiner Amtszeit unberechtigte Abbuchungen gegeben, die bis heute noch nicht aufgehört haben. Gerade erst letzte Woche wurden über 1000 Euro abgebucht. Das Problem ist, dass unsere Kontodaten öffentlich sind und jeder, der sie kennt, per Lastschrift Geld abbuchen kann. Wir haben aber alle Beträge wieder zurückgebucht und befinden uns außerdem in regem Austausch mit der Trierer Staatsanwaltschaft.

(nu): Es hat ja auch einige Fälle von finanziellen Unregelmäßigkeiten bei den Fachschaften gegeben. Habt ihr da irgend- welche Maßnahmen er- griffen?

Es gab von Seiten des AStA einen Vorschlag für eine neue Finanzstruktur der Fachschaften und ich habe eine einheitliche Buchführung für die Fachschaften eingeführt. Außerdem arbeiten wir in diesen Fällen mit der Rechtsberatung der Uni mit Frau Neumann, die für die Finanzen der Uni zuständig ist, zusammen. Ich würde keinen Studenten unserer Uni anzeigen wollen, so- lange ich nicht rechtlich dazu verpflichtet bin.