Lügen gestraft?
Aus einer Pressemitteilung der Universität:
Tobias Beck hat ein Stück Geschichte geschrieben: Er ist der erste Bachelor-Absolvent an der Universität Trier.
Das ist zunächst schon mal jede Anerkennung wert; aber weiter im Text:
Schon nach fünf statt der vorgesehenen sechs Semester hat der 24-Jährige sein Zeugnis als Bachelor der Betriebswirtschaft in Empfang nehmen können. Tobias Beck hat mit seinem Turbo-Bachelor-Studium die ‚Bologna-Kritiker‘ eigentlich Lügen gestraft.
Potzblitz, liebe Pressestelle der Universität Trier, aber schau mal: Waren es nicht vielmehr strukturelle Defizite, das niedrige Qualifikationsniveau, die Unterwerfung unter Arbeitsmarktgesetze, soziale Ungerechtigkeiten und die Entfernung vom humanistischen Bildungsideal, die von den Bologna- Kritikern hinterfragt wurden? Und weniger die prinzipielle Machbarkeit des Studiums?
Bei mir waren elf Klausuren in einem Semester die Krönung
, sagt der Absolvent. Wenn das kein Gardemaß ist.
Man kann dem Paradefall Tobias Beck dann auch genügend Negativbeispiele gegenüberstellen: Solche etwa, die ihr Auslandssemester weniger reibungslos einschieben können. Die finanziell schlechter dastehen, und neben ihrem „Turbo-Studium“ auch noch einen 14- Wochenstunden-Job bewältigen müssen. Die der Arbeitsbelastung von elf Klausuren in einem Semester nicht gewachsen sind. Die keine „vorgezogenen Prüfungstermine“ erhalten. Die nach ihrem Abschluss keinen Master machen möchten, ohne ihn aber keine Anstellung finden.
Die eigentliche Glanzleistung in der causa Beck ist also die des Be- treffenden selbst – und nicht die des Bachelorstudiengangs. Ob das ein Grund zum Feiern ist?