Gleiche Entwicklungsmöglichkeiten für Frauen und Männer

Dorothee Adam-Jager, Frauenbeauftragte des Senats der Universität Trier, im Interview der nu

Nach der Prämierung des Gleichstellungskonzeptes im Jahr 2008 wird die Gleichstellung an der Universität Trier bis 2014 mit 1,4 Millionen Euro durch das Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder gefördert.


(nu): Sie sind seit 2004 Frauenbeauftragte des Senats der Universität Trier und wurden im Juli einstimmig in Ihrem Amt bestätigt. Wie sieht ihr normaler Arbeitstag/-woche aus?

Adam-Jager: Auf halber Stelle arbeite ich als Referentin im Frauenbüro und habe zehn Stunden wöchentlich für das Amt der Frauenbeauftragten zur Verfügung. Neben den laufenden Aufgaben, wie der Beantwortung von verschiedenen Anfragen, der Beratung von Frauen, der Leitung und Koordinierung der Aufgaben des Frauenbüros, wirke ich in den universitären Gremien mit und kooperiere mit den einzelnen Abteilungen, Kollegen und Kolleginnen in den Fachbereichen. Ich bereite Entscheidungen der Hochschulleitung, die das Thema Gleichstellung betreffen, vor und nehme an Personalauswahlverfahren teil. Parallel werden Konzepte und in ihrer Umsetzung thematische Arbeitsschwerpunkte und Aufgaben bearbeitet; derzeit die Umsetzung des Professorinnenprogramms.

(nu): Verspüren Sie manchmal noch Vorbehalte gegen die Tätigkeit einer Frauenbeauftragten?

Adam-Jager: Die Institution Frauenbeauftragte ist seit mehr als 20 Jahren an dieser Universität eingeführt und trifft von daher auch auf eine breite Akzeptanz innerhalb der Hochschule. Vorbehalte gegen die Tätigkeit kann es dort geben, wo die Aufgabe der Frauenförderung kritisch infrage gestellt und als zu einseitig betrachtet wird. In der Regel lassen sich aber über geschlechtsspezifische Daten und Fakten solche Vorbehalte korrigieren.

(nu): Haben Sie Erfolgserlebnisse – oder anders gefragt, – macht Ihnen Ihre Arbeit überwiegend Spaß oder sie sie auch frustrierend?

Adam-Jager: Zurzeit sind wir im Rahmen des Professorinnenprogramms mit unserem Gleichstellungskonzept ja gerade recht erfolgreich. Das freut mich und meine Kolleginnen natürlich. Die Arbeit ist aber insgesamt sehr komplex und vielfältig und erfordert eine enge Abstimmung mit vielen Beteiligten. Aufgrund einer für alle durchgängig hohen Arbeitsbelastung ist es einigermaßen schwierig, gemeinsame Termine im größeren Kreis zu finden. Das macht die Arbeit an vielen Stellen mühsam. Außerdem erfordert die Aufgabe an sich einen langen Atem und immer wieder zeigen sich auch unvorhersehbare Probleme.

(nu): Was bedeutet Gleichstellung für Sie? 

Adam-Jager: Gleichstellung bedeutet für mich, Benachteiligungen qua Geschlecht, die auch mit anderen Diskriminierungsmerkmalen einhergehen können, langfristig an unserer Universität zu beseitigen. Dazu sind Maßnahmen an unserer Hochschule zu implementieren, die bestehende Hürden und Probleme, vor denen vor allem Studentinnen, Wissenschaftlerinnen und weibliche Beschäftigte stehen, abzubauen. Ziel sollte es letztlich sein, an unserer Hochschule eine in allen Bereichen chancengerechte Struktur zu schaffen, die allen, unabhängig von geschlechtlichen Zuschreibungen, die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten im Studium, in der wissenschaftlichen Laufbahn und im Beruf bietet.

(nu): Im vergangenen Wintersemester lag der Anteil der Frauen an den Erstabschlüssen bei 67%. Also alles bestens?

Adam-Jager: Dass wir als eine vor allem geisteswissenschaftliche Hochschule einen so hohen Studentinnenanteil und Anteil an Absolventinnen haben, verwundert zunächst nicht. Dies ändert aber nichts daran, dass wir in einzelnen Fächern auch eine starke Unterrepräsentanz von Studentinnen haben, z. B. in der Informatik, und es ändert auch nichts daran, dass auf allen nachfolgenden Qualifikationsstufen, Promotion, Habilitation und Professur,  Frauen unterrepräsentiert sind.

(nu): Was sieht das Gleichstellungskonzept vor, um diese Situation zu verbessern? 

Adam-Jager: Das Gleichstellungskonzept zielt darauf, die Anteile von Frauen in wissenschaftlichen Spitzenpositionen zu erhöhen, die Karriere- und Personalentwicklung von Nachwuchs­wissenschaftlerinnen zu stärken, Studentinnen in Fächern, in denen sie unterrepräsentiert sind, besonders zu fördern und zielgruppenübergreifende Maßnahmen weiterzuentwickeln.

(nu): Wofür werden die Fördergelder aus dem Professorinnenprogramm verwendet?

Adam-Jager: Mit den Geldern aus dem Professorinnenprogramm werden z. B. die Einrichtung eines Master-Nebenfachstudiengangs “Gender Studies” unterstützt, die Begleitung des Übergangs vom Bachelor zum Master geschlechtergerecht gestaltet, das Graduiertenzentrum um frauenspezifische Angebote ausgebaut, die Betreuungsrelation von Studierenden in den einzelnen Fachbereichen und Fächern durch Lehrauftrags- und Tutorienmittel verbessert, die Mittel zur Förderung von Promovendinnen erhöht und die Familiengerechte Hochschule weiter ausgebaut.

(nu): Das Gleichstellungskonzept sieht eine leistungsabhängige Verteilung der Mittel an die Fachbereiche nach erreichtem Anteil an Promotionen von Frauen vor. Heißt das, dass es für die Fachbereiche profitabler ist, Frauen bei Promotionen zu bevorzugen?

Adam-Jager: Es bedeutet, dass diese Mittel des Promotionsfaktors tatsächlich leistungsabhängig, nämlich nach der erreichten Anzahl der Promotionen von Frauen auf der Basis des jeweiligen Dreijahresdurchschnitts, an die Fachbereiche zugeteilt werden. Die Fachbereiche erhalten also je mehr Frauenfördermittel, desto mehr Frauen sie zur Promotion führen. Sie stehen um diese Mittel, im Gegensatz zur früheren Gleichverteilung, in einer gewissen Konkurrenz. Die Universität hat diese Regelung eingeführt, weil nach geltendem Hochschulrecht Erfolge in der Gleichstellung überprüft auch inneruniversitär honoriert werden sollen. Es geht dabei nicht um Bevorzugung, sondern darum, zusätzlich eine größere Anzahl an Promovendinnen zu fördern.

(nu): Wie wird sich die Situation von Frauen an der Universität Trier in den nächsten Jahren entwickeln?

Adam-Jager: Das ist eine spannende Frage. Natürlich hoffe ich, dass sich die Situation insgesamt weiter verbessern lässt. Ein entscheidender Punkt wird es sein, mit dafür zu sorgen, dass der neue erste Abschluss Bachelor Frauen nicht überproportional häufig dazu verleitet, bereits zu diesem frühen Zeitpunkt aus dem wissenschaftlichen Karrieresystem auszusteigen. Das würde all unsere Bemühungen, den Anteil von Frauen auf den nachfolgenden Karrierestufen zu erhöhen, konterkarieren und die bisher erreichten Gleichstellungserfolge ernsthaft infrage stellen.

(nu): Wird die Universität auch in Zukunft noch eine Frauenbeauftragte brauchen?

Adam-Jager: Diese Frage kann ich von der Aufgabe her bejahen, auch wenn sich die Bezeichnung in Gleichstellungsbeauftragte ändern wird. Nachteilsbeseitigung als Querschnittsaufgabe ist ein gesetzlicher Auftrag und somit auf Dauer angelegt. Das nächste Hochschulgesetz wird voraussichtlich den Begriff Frauenbeauftragte in Anlehnung an das Landesgleich­stellungsgesetz in Gleichstellungsbeauftragte umwandeln; der inhaltliche Bezug bleibt aber vor allem, wie dort vorgesehen, die Gleichstellung von Frauen. In dieser Frage hat die Universität auch auf Jahre hinaus entsprechende Zielvereinbarungen, z. B. mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft getroffen, die sie erfüllen muss. Zusätzlich arbeiten wir im Feld der Familiengerechten Hochschule konsequent für Mütter und Väter, sowohl bei der Gruppe der Studierenden als auch bei der Gruppe der Beschäftigten. Auch dieser Bereich wird zukünftig weiter ausgebaut werden.

(nu): Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Matthias Geusen.